Souverän statt kleinlaut
Von kleinen und gewichtigen Unterschieden zwischen Bedürfnissen, Strategien und Emotionen
Der Blick aus dem Seminarraum in der Parkakademie schweift immer wieder über das weite Grün des Westfalenparks. Denn dahinter erhebt sich die markante Silhouette der Dortmunder Industriekulisse. Drinnen: angeregte Gespräche, Wasserflaschen und Notizblöcke auf den Tischen. Nach einem Glas Secco zur Begrüßung wird es schnell persönlich und erkenntnisreich. Denn an diesem Abend geht es um etwas, das alle kennen: schwierige Gespräche.
Für den 4-stündigen Workshop „Souverän statt kleinlaut“ hatte DONNA die Referentin Stefani Stock eingeladen, um gemeinsam einer zentralen Frage nachzugehen: Wie gelingt es, in herausfordernden Situationen klar und bei sich zu bleiben?
Was unter der Oberfläche wirkt
Ein wichtiger Einstieg in den Abend ist die Polyvagal-Theorie. Sie beschreibt, wie unser autonomes Nervensystem auf Stress, Gefahr und Sicherheit reagiert. Die Erkenntnis daraus: Bevor wir reagieren, hilft es, den eigenen Zustand wahrzunehmen und zu regulieren.
Von dort ist der Weg zur Gewaltfreien Kommunikation (GFK) nicht weit. „Wir stehen oft nicht für unsere Bedürfnisse ein“, sagt Stefani Stock und ergänzt: „Und wundern uns dann, dass es uns nicht gut geht.“ Ein Satz, der sind durch den Workshop zieht.
Denn alles, was wir Menschen tun, tun wir, um Bedürfnisse zu erfüllen. Nur sind die Strategien, die wir wählen, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen, nicht immer hilfreich. Deshalb können wir davon ausgehen, dass hinter jeder unangenehmen Emotion ein unerfülltes Bedürfnis steckt.
Hier setzt die Gewaltfreie Kommunikation an. Sie schärft den Blick für uns selbst und hilft uns zu unterscheiden, was ein Gefühl, was ein Bedürfnis und was eine Strategie ist.
„Wenn die Bedürfnisse offenliegen,
lassen sich Konflikte leicht lösen.“
Stefanie Stock
Die klassische GFK folgt vier Schritten: Beobachtung, Gefühle, Bedürfnisse und Bitte. Was einfach klingt, ist ziemlich komplex. Die Unterscheidung zwischen Gefühl, Bedürfnis und Strategie sorgt daher auch für viele Fragezeichen und Aha-Momente bei den Teilnehmerinnen. Wenn wir sagen: „Ich habe das Gefühl, dass …“, folgt meist kein Gefühl, sondern ein Gedanke oder eine Bewertung.
Und in der Verwechslung dieser Komponenten liegt viel Konfliktpotenzial. Wer dagegen die vier Schritte sauber voneinander unterscheiden kann, gewinnt Klarheit über sich selbst. Und genau das ist der Schlüssel, um schwierige Gespräche souverän zu führen. Stefani Stock mahnt dazu, diesen Weg auch mutig zu gehen: „Denn Schweigen hat seinen Preis: ungelöste Spannungen, fehlende Klarheit und wachsende Frustration.“
Vom Verstehen ins Erleben
Immer wieder wechseln sich an diesem Abend fachlicher Input und praktische Übungen ab. Die Teilnehmerinnen reflektieren eigene Gesprächssituationen, tauschen sich in kleinen Gruppen aus und bringen Beispiele aus dem Berufs- und Privatleben ein. In diesen interaktiven Phasen spüren die Teilnehmerinnen, wie Bedürfnisse, Emotionen und Strategien oft ineinandergreifen und wie schnell Missverständnisse entstehen können.
Unterstützt werden sie dabei von Listen mit universellen Bedürfnissen und Emotionen, die Stefani Stock mitgebracht hat. Zwischendurch bietet der gemeinsame Imbiss Raum, das Gehörte nachklingen zu lassen, Gespräche zu vertiefen und neue Verbindungen aufzubauen. Ganz im Sinne des DONNA-Gedankens.
Das Fazit: In der Abschlussrunde zeigt sich dann: Jede nimmt etwas mit für den beruflichen wie den privaten Alltag. Souveränität bedeutet vor allem die Klarheit, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und ihnen eine Stimme zu geben.
Auch das Feedback zum Workshop bestätigt die besondere Stärke der DONNA-Veranstaltungen: fachliche Impulse, persönliche Entwicklung und Austausch gehen Hand in Hand. So wurde aus dem Workshop wieder ein Raum, in dem Frauen von- und miteinander lernen, sich gegenseitig stärken und mit neuen Impulsen zurück in ihren Alltag gehen.
Danke an die Referentin und die Teilnehmerinnen!

















